BIZARRER FLIRT AUF DER PARKBANK

BERLINER  MORGENPOST, 16.05.2006

THEATER

BIZARRER  FLIRT AUF  DER PARKBANK - Ulrike  Borowczyk

Ein bißchen versteckt ist es schon, das Teatr Studio am Salzufer. Doch hat man es in dem Gewerbehof gefunden, taucht man ein in eine besondere Bühnenwelt. Seit zwei Jahren gibt es die deutsch-polnische Studiobühne, eine Auftrittsplattform für die Studenten der angegliederten Transform Schauspielschule. Mittlerweile hat sich das Haus etabliert als spannende Facette in der hauptstädtischen Theaterszene. Man bereichert  die deutsch-polnischen Kulturbeziehung, doch das Selbstverständnis ist international. Zum Jubiläum wird ein Stück des russischen Autors Alexander Gelman  gezeigt: „Zwei auf einer Bank“. Ursprünglich ein Filmszenarium, das die Diplominszenierung von Janina Szarek adaptiert hat. Dabei wird auf der weiten, fast leeren Bühne sogar eine surreale Traumsequenz umgesetzt, ganz ohne Special Effects: Er (Karsten Zinser) gerät auf einer Parkbank schlafend in die Fänge seiner erotischen Phantasien. Aufgewacht, kommt sie (Ibadete Kadrijaj) auf ihn zu. Vor idyllischem Vogelzwitscher entspinnt sich ein bizarrer Flirt, dessen Stimmung immer wieder kippt.  
Schnell wird klar, daß die beiden sich kennen. Ein One-Night-Stand vor drei Jahren. Warum sie sich aber nicht einfach erneut umgarnen, statt sich mit Streitereien geradezu quälen, erfährt man erst nach und nach. Wie bei einer Zwiebel häuten sie sich Schicht um Schicht, bröckeln Lügen und Selbstzweifel. Daß sich hier zwei Schauspieleleven ein äußerst raffiniertes, nervenzerrendes Psychoduell liefern, ist dem fesselnden Spiel in keiner Sekunde anzumerken. Hochklassig.

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