Kultur zu Ostern

KURIER, Stettin, 16.04.2004
Kultur zu Ostern

NEW YORK UND ROZEWICZ
Korrespondenz aus Berlin - Maria Bartczak

1. Bericht über die Ausstellung von Bildern des MoMA, Museum of Modern Art , in Berlin

2. Die nächste angenehme Überraschung in Berlin ist dieses Mal theaterbezogener Art. Seit Ende Februar spielt man dort „Die weiße Ehe“ von Tadeusz Różewicz unter der großartigen Regie der Polin Janina Szarek. Diese seit über zwanzig Jahre in Deutschland lebende Schauspielerin und Regisseurin ist dem außergewöhnlich  anspruchsvollen Berliner Publikum bekannt. Sie führt seit 2002 zusammen mit Prof. Dr. Olav Münzberg eine private Schauspielschule. Seit 2002 entwickeln Studenten dieser Schule Vorstellungen und Semesterpräsentationen, die man u.a. auf der Bühne „Teatr Studio“ mit Sitz Charlottenburg – Wilmersdorf, in einem vornehmen Bezirk Berlins, zeigt.
Ich kann nicht verschweigen, dass ich mit gewissen Vorbehalten zu dieser „deutschen“ „Weißen Ehe“ gegangen bin, in der Studenten spielen sollten. Und die ganze Zeit hatte ich die Stettiner Inszenierung in Erinnerung, in der vor Jahren u.a. die junge Danuta Stenka phantastisch gespielt hat. Und doch: das, was ich bei Janina Szarek gesehen habe, hat mich begeistert. Die jungen deutschen Schauspieler haben großartig gespielt, besonders in den Hauptrollen von Bianca und Paulina, Sabine Eitel und Vanessa Rose. Lange bleibt auch der phantastisch  gespielte Dialog  zwischen Mutter und Tante in Erinnerung, die von Franca Merkel und Natalia Herrera-Köhler verkörpert werden.
Das Bühnenbild ist in der Berliner „Weißen Ehe“ sparsam: zwei Betten, irgendeine Schranktruhe und ein altes Klavier. Die Kostüme der Schauspielerinnen wirken etwas verbraucht. Solche Details aber sind von keiner Bedeutung. Das Publikum ist begeistert, die Kritik ist es auch.
Das deutsche Theater kämpft wie heutzutage jede nicht kommerzielle Institution mit finanziellen Problemen. Es fehlt Geld für Bühnenbild, Kostüme, Gagen für Schauspieler etc.. Man schließt einige Theater. Und trotz allem und allen. Nach all den Jahren der Abwesenheit  erscheint polnisches Theater mit einer neuen Bühne in Berlin. Und es erscheint mit einem Stück, das für die Deutschen ziemlich schwierig ist. Es ist ein Entree im großen Stil.
                        Übersetzung: Janina Szarek / Olav Münzberg

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