Die Figuren aus Kołakowskis Märchen haben Angst vor der Anonymität. Sie tun alles, um ihre eigene Anwesenheit bemerkbar zu machen, beachtet zu werden, sich von der Masse abzuheben, ins Dasein zu kommen. Sie glauben, dass sie glücklich sein werden, wenn sie dieses Ziel erreichen.
Ebenso auch die Schauspieler, die die Bewohner Lailonias verkörpern. Die Möglichkeit, auf der Bühne zu erscheinen, ist eine immer größere Verlockung. Jeder will seine "fünf Minuten" haben und erfolgreich sein. Jeder möchte ein Gewinner sein - niemand ein Verlierer.
Doch die Figuren aus Kołakowskis Märchen finden ihr ersehntes Glück nicht, ihre Taten enden meistens in der Niederlage. "Hier auf der Erde gibt es kein Erfolg. Natürlich gibt es berühmte Menschen. Aber trotzdem würde ich sagen, dass wir alle Versager sind." - schreibt Kołakowski. Sollen wir also das Leben als unausweichliche Niederlage betrachten? Bedeutet das, dass es ziellos ist, um sein eigenes Glück zu kämpfen? Haben wir überhaupt eine Chance, den Kampf gegen das eigene Schicksal zu gewinnen? Können wir diesen Kampf überhaupt irgendwie steuern?
Kołakowski will auf die Frage, wie man leben soll, um glücklich zu sein, nicht antworten. In einem Interview sagt er: "Wenn ich mich darauf einlasse, kein Papst zu werden, keine Greta Garbo, wenn ich weiß, dass ich nicht perfekt bin und nichts Besonderes sein werde, wenn ich von mir selbst nicht zu viel verlange, mich über Kleinigkeiten freue, einverstanden bin mit den kleinen Sünden des Alltags und wenn das Verständnis eines solchen Lebens mich glücklich macht, dann geht es wohl allen besser". "Durch Mittelmäßigkeit zum guten Leben? Ist das Ihr Rat?" - fragt ein Journalist. Kołakowski antwortet - "Etwas in der Art. Aber ich will niemandem beraten. Ich sage nur das, was mir nützlich erscheint".
..Niemand weiß, wo Lailonia liegt. Es ist nur ein Vorwand, um mit ungezwungener Vorstellungskraft, viel Sinn für Humor und einer spöttischen Frage darüber nachzudenken, wer wir eigentlich sind und wohin wir eigentlich gehen... Die Inszenierung von "Lailonia" erscheint als ein Theater im Theater, welches vor unseren Augen stattfindet. Auf einer leeren Bühne Gestalten ganz in schwarz: Doch mit ihrer Mimik, ihren Gesten, mit Hilfe der Garderobe und einfacher Requisiten erschaffen sie eine Inszenierung immer neuer Erzählungen. Ein bisschen Rückkehr zum kindlichen Theaterspiel auf dem Hof, ein bisschen Kabaret. Umso mehr, als dass diese Interpretation durch intelligenten Witz und Selbstironie besticht ... und die Schauspieler durch Frische und Spontaneität. Das Theater Kana spielt "Lailonia" wahrhaft als Ensemble. Und die ganze Zeit hindurch erlauben uns die Schauspieler, nicht zu vergessen, dass wir hier im Theater sind... Und der Zuschauer wird mehr und mehr überzeugt davon, dass - trotzdem es sich hier um unvollkommene Menschen/Schauspieler handelt, die uns hier eine unvollkommene Welt zeigen wollen - diese Welt wunderbar ist und es sich lohnt, auf ihr zu sein... - Gazeta Wyborcza, Stettin
"...Wenn wir so die Geschichten aus Lailonia betrachten, fällt uns auf, dass dies eigentlich unsere Geschichten sind. Sie handeln von unseren Schwierigkeiten, unseren Fehlern, von unserer Verbissenheit, unseren Niederlagen, unserer Hoffnung, unserer Dummheit.. Denn wir alle sind die Einwohner von Lailonia, sie ist unsere Heimat, egal, ob wir sie nun Pogodno oder Pernambuco nennen wollen. Lailonia ist in uns - wir in ihr. (...) Es lohnt sich, "Lailonia" anzuschauen. Fast anderthalb Stunden gutes Theater. (...) Es lohnt sich, ins Kana zu gehen, um wieder mal Grund zum Lachen zu haben, aber auch um die Lektion von Lailonia zu erleben, wenn auch nur für die eigene Person."
Das Theater:
Teatr KANA - Theater aus Polen – Theater aus Stettin
Das Theater des ZYGMUNT DUCZYŃSKI - Zygmunt Duczyński hat das Theater gegründet und war Regisseur aller seiner Produktionen.
Das Teatr Kana besteht seit 1979. Gegründet wurde es von Zygmunt Duczyński, der am 15.03.2006 verstarb. Zunächst war es ein Studententheater, das jedoch nach und nach an künstlerischer Reife und organisatorischer Selbständigkeit gewann. Ein Durchbruch für das Teatr Kana waren die beiden Stücke nach Texten von Erofeev: "Moskva-Petuški" (1989) und "Nacht" (1993). Beide Stücke erfuhren vielfache Aufführungen auf renommierten Bühnen weltweit. Hervorragende Rezensionen dieser Stücke brachten unter anderem "The Times", "Los Angeles Times", "Los Angeles Weekly", "The Scotsman", "Backstage" und viele andere.
Das Stück "Nacht" erhielt 1994 die Auszeichnung First Fringe und den Critics Award beim Internationalen Kunstfestival in Edinburgh. 1995 verlieh der Stettiner Stadtpräsident Zygmunt Duczyński und seinem Teatr Kana in Anerkennung seiner langjährigen künstlerischen Tätigkeit und seines Schaffens, das eine echte Bereicherung für die Kunstszene der Stadt darstellt, den Kunstpreis der Stadt Stettin für das Jahr 1994.
Das Ensemble des Teatr Kana war mit vielen Auftritten in den größeren polnischen Städten zu Gast, darüber hinaus nahm es an allen wichtigen Festivals für experimentelles Theater und an Kunstfestivals teil (so z.B. am Internationalen Theaterfestival Malta in Poznań, an den Tagen für Moderne Kunst in Białystok, am Internationalen Festival Jüdischer Kultur, am Internationalen Festival Reminiscencje in Krakau sowie am Lubliner Theatertreffen Konfrontacje Teatralne). Mit den Stücken nach Texten von Venedikt Erofeev nahm das Teatr Kana drei Mal am Edinburgh Festival teil (1995 als Ehrengast). Darüber hinaus wurden die Produktionen u.a. in Moskau, Amsterdam, Berlin, Los Angeles, Santa Monica, Santa Ana, Pasa Dena, San Diego, San Francisco (USA), Cheltenham College (Großbritannien), Nitra (Slowakei) und London (Eröffnungsvorstellung des Festivals Visual Theatre 1995) gezeigt.
Die wichtigsten Produktionen des Teatr KANA:
„Być“ (Sein)- 1978, „Spektak“l (Stück)- 1979, „Abbadon“ - 1981, „Księga o życiu i śmierci i twórczości Osipa Mandelsztama“ (Buch von Leben und Tod des Dichters Ossip Mandelstam)- 1982, „Krótka historia Europy“(Kurze Geschichte Europas) - 1983, „Droga“ (Der Weg)- 1984, „Czarne światła“ (Schwarze Lichter) - 1985, „Bezsenność“ (Schlaflos)- 1987,“ Moskva – Petuški“ - 1989, „Nacht“ - 1993, „Szlifierze nocnych diamentów“ (Nachtdiamantenschleifer) - 1996, „Ja, Henryk Bilke“ (Ich, Henryk Bilke) - 2000, „J.P odkrywa Amerykę“ (J.P entdeckt Amerika) - 2000, „Rajski Ptak“ (Der Paradiesvogel) - 2000 (Erster Preis des gesamtpolnischen Monodramen-Festivals Stara Prochoffnia in Warschau, 2OO3), „Miłość Fedry“ (Phädras Liebe) - 2002, „Widmokrąg“(Gesichtekreis) (Open-Air-Vorstellung)- 2003, 2004, "Geist" - 2007 (Erster Platz im Publikumspreis des 15. alternativen Theatertreffens KLAMRA 2008 in Toruń).
Nach dem Tode von Zygmunt Duczyński setzt das Ensemble seine kreative Arbeit fort. Dabei verfolgt es eine künstlerische Eigenständigkeit auf der Grundlage der gesammelten Erfahrungen und der vom Ensemble eingeschlagenen experimentellen Richtung.
www.kana-art.pl